2010/12/13

Jane's Pleated Dress...


Vintage ist nicht gleich Vintage. Für die einen bedeutet das Wort ein namenloses Teil aus einem x-beliebigen Second-Hand-Laden mit anderen namenlosen Teilen zu kompinieren, für andere bedeutet es Schätze zu heben.
Jane Aldridge, das Gesicht hinter Sea of Shoes, hat nicht nur ein Gespür für tolle Schuhe sondern eben auch für Kleider, die eben jenseits von Trends liegen und an denen die meisten Frauen ihres Alters einfach vorbeigehen würden. Kürzlich lichtete sie sich in einen Mary McFadden Kleid ab, 'fortunyesque' plissiert in einem Rosenholzton. Ähnlich, wenn nicht sogar gleich dem, das Horst P. Horst auf einem Foto verewigte (Carolin Rennolds Milbank's Buch 'Couture' abfotografiert).


Mary McFadden war nicht von Anfang an Modedesignerin. Sie kam über ihre Arbeit für die Vogue und ihren Faible für ausgefallene Kleider zur Mode. Durch zahlreiche Reisen und Ehen lebte sie unter anderem in Afrika, von wo sie viele ihrer Inspirationen mitbrachte. Die Kollektionen hatten dann auch immer Themen die die jeweiligen Einflüsse in den Teilen einem Land zuordnen ließen.
Recht früh setzte sich McFadden auch mit Plissees und Plissiertechniken auseinander. Unweigerlich kam es so zu parallelen zu Mariano Fortuny, jenen Designer und Erfinder der zu Beginn des 20. Jahrhundert neue Techniken einsetzte um federleichte, den Körper umschmeichelnde Seidenkleider zu entwerfen. Seine Delphos-Kleider (siehe nachfolgendes Bild) bergen noch immer ein Geheimnis: bisher gelang es niemanden seine einzigartige Technik zu enschlüsseln und die Plissees nachzumachen.


Fortuny ist für viele Designer Vorbild und Inspiration (siehe Kleid von Issey Miyake), der breiten Masse hingegen ist sein Name kaum ein Begriff. Dabei sind seine Kleider nicht weniger Revolutionär wie die eines Charles Frederic Worth oder einer Madeleine Vionnet. Fortuny's Kleider stehen auch für Modernität, sie waren unter anderem ideale Reisebgleiter.


Jane's McFadden Kleid ist ein Beispiel dafür, dass Mode immer in einem Kontext steht und aus diesem heraus weit mehr als Kleidung sein kann. Die Trägerin wiederum trägt dazu bei, dass es zum Leben erweckt wird.


Kommentare:

  1. Hallo René,
    es ist so schön, bei Dir etwas über Madelaine Vionnet und Mariano Fortuny zu lesen. Kannst Du Dich noch daran erinnern, wie 1993 Greenaway an der Biennale in Venedig teilgenommen und in Fortunys Palazzo ausgestellt hat? Ich weiß noch, wie er damals eine riesige ultramarin-blaue Stoffbahn aus einem der Fenster des Palastes hängen ließ (auch wenn ich das nur im Fernsehen gesehen habe), was mich total beeindruckt hat. Hach!
    Mit den besten Adventsgrüßen,
    Julia

    AntwortenLöschen
  2. Ich habe gerade mal nach Bilder geggogelt, bin leider nicht fündig geworden. Schade, würde mich sehr interessieren.

    AntwortenLöschen